Eine wahre Geschichte zum Jahresabschluss

Weihnachten feiern wir seit 1675 Jahren, Fronleichnam seit 765 Jahren und die deutsche Wiedervereinigung seit 21 Jahren. Viele Traditionen haben eine lange Geschichte, eben Tradition. Doch jede Tradition muss einmal beginnen. Und so beschlossen die fleißig trainierenden Athleten des USC Heidelberg, noch ein wenig länger und ein wenig fleißiger zu trainieren als es für die süddeutschen Meisterschaften anstand und fassten das erste Oktoberwochenende ins Auge, um traditionell und erstmals zu den oberschwäbischen Kreismeisterschaften zu fahren und dort einen Mehrkampf zu absolvieren.

Dies war aber leichter gesagt als getan, schließlich standen auf dem Trainingsplan für gewöhnlich eher kurze Läufe, lange Läufe und mittellange Läufe als Sprünge und Würfe, aber mit knapp zwei Monaten Vorlauf sollte auch dies keine Schwierigkeiten darstellen. So kam es dann, dass unsere Helden Christian Staud, auf dessen Geheiß hin dieses Unterfangen gestartet worden war, da es in seine Heimat ging, und Felix Trogisch eine Woche vor dem Wettkampf ihre mehr oder weniger ersten Sprünge mittels Stab über eine Leine auf eine Matte absolvierten, da vorher nur Trockenübungen möglich waren. Nachdem diese Stabhoch-Generalprobe verletzungsfrei überstanden war, wussten sie: „Oh Gott.“ Unsere Heldinnen Daniela Richter und Tabea Stehle bekämpften Unsicherheiten im Hürdenwald einfach damit, möglichst wenig Hürden zu trainieren und stattdessen lieber den Speerwurf dahingehend zu optimieren, dass ähnlich den männlichen Trainingszielen, möglichst wenig andere Leute im Stadion zu Schaden kamen. Nachdem unsere vier Kriegerinnen und Krieger sich gewappnet sahen, die weite Reise anzutreten, brauchten sie nur noch einen Fanblock, doch der ließ nicht lange auf sich warten, schließlich lockten ja ästhetische Stabhocheinlagen und packende Szenen Mann gegen Mann über die 1500 Meter.

Also brachen fünf USC’ler, da sich die sehr wettkampferfahrene Anne Vormwald zur Nervenberuhigung dem Auszug anschloss hoch motiviert, ausgeruht und per BaWü-Ticket gen Weingarten auf, wo das Lager bezogen werden sollte. Da Felix beim Packen aufgefallen war, dass er am Dienstag nach diesem Event noch seine letzte Staatsexamensprüfung vor sich hatte, nahm er noch schnell einen Satz Karteikarten und ein Buch mit und beglückte den Rest der Truppe mit Infos zu „ARR“,  „RRR“ oder einfach nur „Q“, bevor er nach etwa zwei Minuten feststellte, dass Lernen im Zug etwa so erfolgversprechend ist wie ein Zehnkampf mit fünf Disziplindebüts – wobei…

Im Staudiland angekommen wurde schnell die dortige sehr bequeme Pension bezogen und das der Offenbarung vorhergehende Abendmahl in Form von Pizza und Nudeln eingenommen. Nach einem Überfall des Weingartener Kauflands konnten unsre fünf Tapferen sich schlafen legen und dem großen Tag, zumindest dem ersten, entgegen schnarchen.

Nach einem rigorosen Frühstück (O-Ton: „Hefezopf“, „Hefezopf“, „Hefezopf“) ging es dann ins Stadion, wo erstmals klar wurde, dass „sonnig, 26 °C“ auf schwäbisch eher „nebelig“ bedeutet. Schnell wurde klar, dass es im Zehnkampf zum packenden Duell Christian vs. Felix, im Siebenkampf zum mindestens ebenbürtigen Fight Daniela vs. Tabea kommen würde, schlicht und ergreifend, weil es die einzigen Erwachsenen waren. Dennoch entwickelte sich ein toller Wettkampftag mit einigen persönlichen Bestleistungen, nicht nur weil es sich oft um Disziplindebüts handelte. Verschweigen möchte man hier allerdings vor allem die Langsprintleistungen der Zehnkampfikonen, da nach dem Hochsprung („Staudi, ich will nicht mehr…“) ein wenig die Luft raus war.

Zurück in der Pension erreichten vier weitere USC’ler das Lager bzw. Lazarett und die große Nudelparty konnte gestartet werden. Franzsika Foch, Elena Dänekamp, Christine Rother und Marius Binder sorgten schnell für eine lustige Runde getreu der Devise „n’Oved“. Nach einem rundum gelungen Essen, einem Unentschieden zwischen Christian und Felix in dieser fünfeinhalbten Disziplin und einem erneuten Besuch des Kauflands brachen die Athleten entkräftet zusammen und sammelten Kraft für den nächsten Tag, während Marius über andersgeschlechtliche Aufwachprobleme philosophierte.

Es wurde Abend, es wurde morgen – nächster vernebelter Tag.

Man munkelt jedoch, dass dieser Nebel die Zuschauer vor den eindrucksvollen Hürdendarbietungen der von Muskelkater geplagten Männer schützte, während die Frauen sich im feuchten Sand einspringen durften. An diesem Tag jedoch kam die Sonne schon früher als am Vortag zum Vorschein, sodass pünktlich zum Stabhochsprung strahlendes Maiwetter diesen Oktobertag versüßte. Nachdem noch rasch Felix‘ Technik grundlegend umgestellt wurde, und zwar dahingehend, dass er eine hatte, konnte es auch schon losgehen. Mit Hängen und Würgen meisterte er im dritten Versuch die Einstiegshöhe und konnte sich sogar noch steigern, während Christian sehr routiniert auftrat und nach einigen übersprungenen Höhen nur knapp an den drei Metern scheiterte.

Doch was für viele im Verlauf der sechs bzw. neun Disziplinen fast in Vergessenheit geraten war, kam nun erneut ins Gedächtnis: „Muht die Kuh laut im Getreide, war ein Loch im Zaun der Weide“, und: Am Ende wartet die Mittelstrecke. Doch auch hier ließen sich unsere vier Veteranen nicht unterkriegen und wurden von den Zuschauern, mitjoggenden USC’lern, Tempomachern, der Stadionsprecherin und nicht zuletzt sich selbst bis ins Ziel gepeitscht – wo für die Frauen ein Winnie Puuh-, für die Männer hingegen ein SpongeBob-Schreibset lauerte.

Was aber vielleicht ein wenig untergegangen sein mag, ist, dass das Auftreten der USC’ler in jeder Hinsicht erfolgreich war: Während Christians und Tabeas letzte Mehrkämpfe Jahre zurücklagen, war es für Daniela und Felix jeweils der erste. Viele Disziplinen musste daraufhin neu gelernt werden und das ist zwischen Studium, Doktorarbeit, Staatsexamen, Praxissemster und Verletzungen nicht gerade einfach. So zeigte sich Felix nur ein wenig ärgerlich, knapp an den 5000 Punkten gescheitert zu sein, während Christian glücklich war, nach seiner Verletzung im Juni alle Disziplinen beendet zu haben (am Ende über 5600 Punkte). Tabea scheiterte nach einer gerade halbüberwundenen Erkältung ebenso knapp an den 3000 Punkten und Daniela, erst seit Saisonbeginn in Verein und Training kam auf über 3300 Punkte. Als Einzelleistungen stachen neben Tabeas 1,48 m im Hochsprung und Danielas 18,10 s über die Hürden auch Christians 6,45 m im Weitsprung und Felix‘ 4:46 min über 1500 m hervor.

Doch dies alles wurde fast schon nebensächlich ob des schönen Mannschaftserlebnisses. Es hat sprang für jeden ein schönes Wochenende raus und die Athleten bedanken sich vor allem auch bei den Trainern der LG Welfen für die Unterstützung während des Wettkampfs. Bleibt nur noch zu hoffen, dass sie diese Tradition behauptet. (Felix Trogisch)


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