Allein der Einsatz macht noch keinen Sieg
Im Bezug auf Kampf und Einsatzwillen sind die Spieler des USC Heidelberg wieder nicht zu kritisieren – unaufhörlich ackerten die Schützlinge von Torsten Daume und hechteten „lose balls“ hinterher – doch gegen die Spezialität des USC Freiburg, die Zonenverteidigung, fanden die Neckarstädter speziell im zweiten Viertel mental kein Gegenmittel. Zu viele Ballverluste (23) bei nur 7 Ballgewinnen bescherten Heidelberg eine 72:93-Niederlage vor knapp 500 Zuschauern in der Freiburger Sepp-Glaser-Halle. Turnover sind nun mal der einfachste Weg, ein Basketballspiel zu verlieren. Das sah auch Trainer Torsten Daume so: „Wir haben die ganze Woche das Spiel gegen Zone trainiert, aber Ende des ersten und vor allem im zweiten Viertel haben wir einen Ball nach dem anderen verloren. Dies brachte den Freiburgern leichte Fastbreak-Punkte und uns völlig aus dem Spielrhythmus“.
Die Ausgangssituation war für beide Teams keine entspannte: Freiburg musste seinerseits noch mit dem Abstieg rechnen und die Heidelberger wollten nach drei Niederlagen endlich mal wieder gewinnen. Also begann die Partie sehr nervös, auf beiden Seiten dauerte es lange, bis alle Akteure ins Spiel fanden. Nur Eric Vierneisel war – wie zuletzt auch gegen Crailsheim – sofort hellwach und erzielte im ersten Viertel 11 Punkte, ohne Fehlwurf. Die Freiburger kamen schon zu diesem Zeitpunkt zu leichten Punkten am Brett und führten nach zehn Minuten knapp mit 25:20. Dann folgte der große Einbruch der „Riesen vom Neckar“: Die zweite Periode gewann Freiburg 23:9. Die USC-Aufbauspieler Burleson und Hodges konnten der Breisgauer Zonenverteidigung keine wirksamen Ideen und Spielzüge entgegensetzen und verloren einen Ball nach dem anderen – 11 Ballverluste resultierten allein aus dem zweiten Viertel. Burleson, Adeberg, Komarek und Vierneisel passten ins Leere oder zum Gegenspieler. Die Südbadener münzten dies meist in Schnellangriffe um. Zur Halbzeit war das Spiel zwar noch nicht verloren, aber der Abstand von 19 Punkten schien fast schon uneinholbar. Dass das Team in der Kabine bis kurz vor Start der zweiten Halbzeit den Worten des Trainers lauschte, brachte leider auch nicht die erhoffte Wende.
Die Aufholjagd blieb aus, Freiburg verwaltete den Vorsprung souverän, obwohl Jibril Hodges jetzt endlich aufdrehte und einige Dreier einnetzte. Vom 48:29-Pausenstand kam es über ein 54:31 (23.) und 56:37 (25.) zum 72:51 nach 30 Minuten, nachdem Hodges seinen dritten Dreier des Viertels sehenswert mit der Schlusssirene von der Mittellinie traf. Die Entscheidung war im Grunde aber gefallen, folglich kamen auf Freiburger Seite die Nachwuchsspieler Tobias Tessmann, Lukas Bosse und Florian Becker zum Einsatz – bei den Neckarstädtern durften jetzt mehr und mehr Sebi Dietz, Jens Hirschberg und nach dem 5. Foul von Danilo Barthel auch Max Hug zeigen, was sie drauf haben. „Insbesondere Sebi (Dietz) und Jens (Hirschberg) haben wieder einen guten Job gemacht“, war Torsten Daume bei aller Enttäuschung wenigstens über diese Tatsache erfreut. Auf der anderen Seite besteht aber wohl Übereinstimmung, dass die Bankspieler ein Pro A-Spiel noch nicht über 30 Minuten, vor allem nicht gegen die erste Formation der jeweiligen Gegner, tragen könnten. Immerhin ein Gleichstand (43:413) konnte mit vereinten Kräften in der zweiten Halbzeit erzielt werden. Über 81:61 kam es zum 93:72-Endstand für Freiburg. Allzu großen Aufwand mussten die Gastgeber allerdings nicht mehr betreiben, um den in der entscheidenden Phase herausgespielten Vorsprung über die Zeit zu bringen.
Ungewöhnlich inkonstant waren diesmal Sebastian Adeberg (4 Punkte) und vor allem Lyndale Burleson. Letzterer konnte nicht annähernd seine gewohnte Leistung abrufen. Er, der vor wenigen Wochen 42 Punkte in Nördlingen erzielte, blieb am Samstagabend das erste mal in dieser Saison „scoreless“: 0 Punkte, 0/4 aus dem Feld, 0 Assists, 3 Fouls und 4, Turnovers in 24 Minuten – katastrophale Statistiken.
Nur bei den Rebounds herrschte Gleichstand, 41:41. Verkehrte Welt derzeit beim USC Heidelberg – mit Abwärtstendenz.
Wie es nun weitergeht und wie Torsten Daume und sein Team auf die jüngste Niederlagenserie reagiert, wird sich zeigen und ist durchaus spannend. Das letzte Heimspiel gegen Essen am nächsten Sonntag und ein Auswärtsspiel in Langen die Woche darauf bilden den Saisonabschluss für den USC Heidelberg. Gehen beide Spiele verloren, kann man noch Vierzehnter in der Tabelle werden. Vierzehnter? War da nicht noch was???
USC Heidelberg: Hodges 22 (5/12 Dreier, 8 Assists, 5 Steals), Vierneisel 19 (3/5 Dreier), Komarek 18 (8 Rebounds), Hirschberg 5, Barthel 4, Adeberg 4 (5 Rebounds), Dietz (6 Assists), Williams, Burleson, Hug – Laschewski.
USC Freiburg: Petric 23 (3/7 Dreier), Roquette 22 (8 Rebounds, 9 gezogene Fouls), Evans 21 (7 Rebounds, 4 Assists), Hunter 10 (8 Rebounds), Zazai 9 (15 Assists, 5 Steals), Tessmann 5, Grübler 3.
Robin Herbert und Claus Ebert
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