Rückblick auf die Saison 2009/2010
Nach dem Heidelberger Frühlingsmärchen am Ende der Saison 2008/2009 mit acht Siegen aus den letzten zehn Saisonbegegnungen und einem abschließenden 11. Tabellenplatz war man rund um den USC Heidelberg sehr gespannt auf die Saison 2009/2010 gewesen. „Aufbruchstimmung“ hieß die Devise mit einem zu einem „Fünferteam“ erweiterten Management. Nachdem man sich mit fast allen bisherigen Sponsoren auf eine weitere Zusammenarbeit geeinigt hatte und einige neue Sponsoren hinzugewinnen konnte, setzte man sich das Ziel, mit Trainer Torsten Daume und dem unerwartet erfolgreichen jungen USC-Team möglichst kontinuierlich weiterzuarbeiten und den begonnenen Erfolgsweg fortzusetzen.
Das ist aber im Profigeschäft nicht immer ganz so einfach. Ausgerechnet Ben Beran, in sportlicher und vor allem menschlicher Hinsicht ein enorm wichtiger Antriebspol des USC-Spiels, entschied sich für eine anderweitige berufliche Perspektive und auch Japhet McNeil, der Ideengeber und Verteidigungskünstler, war nicht mehr mit dabei. Damit fehlten zwei enorm wichtige Korsettstangen im USC-Getriebe. Trainer Daume musste neu disponieren und erst mal die Neuzugänge, Lyndale Burleson, Eric Vierneisel und später Darren „Boomer“ Williams ins Mannschaftsgefüge integrieren. – Gleichzeitig hatte die Pro A weiter an Kontinuität zugenommen. Alle vier Aufsteiger, die Crailsheim Merlins, die Ballers Osnabrück, die Hannover Tigers und der USC Freiburg, erwiesen sich als spielstarke Teams, welche die Stabilität der Liga weiter erhöhten. Kennern der Szene musste klar sein, dass es nicht einfach werden würde, unter den gegebenen Voraussetzungen das neue USC-Saisonziel, einen einstelligen Tabellenplatz, zu erreichen.
Zum Saisonauftakt verpasste man gegen den späteren Vizemeister Cuxhaven nur hauchdünn den optimalen Start. 84:85 lautete das Ergebnis in einem hochdramatischen Match. Sebastian Adeberg hatte bei seinem dynamischen Zug zum Korb in letzter Sekunde den USC-Sieg in den Händen. Traum-Premiere knapp verpasst! 28 Punkte von Oliver Komarek und 26 von Jibril Hodges hatten am Ende nicht gereicht. Unglaublich dann der 103:98-Verlängerungstriumph in Osnabrück, wo man zu Beginn des letzten Viertels mit sage und schreibe 21 Punkten zurücklag. Das neue amerikanische Trio Burleson (24 Punkte), Hodges (23) und Viereisel (17) ließ aufhorchen. Beim 100:122 gegen den späteren Meister und BBL-Aufsteiger wurde die USC-Stärke, eine starke Offensive, ebenso evident wie die eklatante USC-Schwäche, enorme Probleme im Defensivverhalten. Nach dem überlegenen 95:82-Auswärtssieg bei Bayern München folgte postwendend die nächste Heimniederlage, ein 89:100 gegen BV Chemnitz 99, trotz 27 Punkten von Hodges. Beim 82:114 in Hannover war man absolut chancenlos. Auch das 86:97 gegen die Saar-Pfalz Braves verlief relativ deutlich. Die beeindruckende Auswärtsstärke des USC in dieser Saison (8 Siege, 7 Niederlagen) kam dann insbesondere beim 105:98 in Kirchheim/Teck zum Tragen. Hodges erreichte überragende 37 Korb- und 41 Effektivitätspunkte. „Der USC kann auch zuhause gewinnen“, lautete die RNZ-Überschrift nach dem 96:83 gegen Giants Nördlingen, dem mit 98:90 in Jena der dritte Sieg nacheinander folgte. Hodges erzielte wiederum 37 Zähler – diesmal 43 Effektivitätspunkte und wurde von der Liga-Jury zum „Spieler des Monats November 2009“ gekürt! In roten Auswärtstrikots folgte dann dennoch wieder eine 89:101-Heimniederlage gegen die BG Karlsruhe. In einem unwahrscheinlichen Krimi gab das Daume-Team am nächsten Wochenende in Crailsheim in den letzten 12 Sekunden der regulären Spielzeit bei einer 3-Punkt-Führung den fast schon sicher geglaubten Sieg noch aus der Hand. In der Verlängerung war die Luft raus (89:102 lautete das Endergebnis). „Crailsheim umgekehrt“ hieß die RNZ-Schlagzeile eine Woche später gegen den USC Freiburg. 85:90 stand es 27 Sekunden vor Spielende, ehe Hodges per Dreier und Burleson noch ausglichen. In der erneuten Verlängerung triumphierte das USC-Team noch mit 108:94. Burleson (34) und Hodges (31) waren die „Matchwinner“. Das 95:94 in Essen ging auf das Konto von Oliver Komarek, der trotz kaum überstandenem grippalem Infekt mit 21 Punkten und 5 Rebounds maßgeblich zum Sieg beitrug und anschließend von der Liga zum „Spieler des Tages“ gewählt wurde. Gegen den TV Langen verpasste das USC-Team zum Abschluss der Vorrunde eine ganz große Chance. Mit einem Heimsieg hätte man nach der Vorrunde auf einem ausgezeichneten 6. Platz gelegen und hätte das Plansoll übererfüllt gehabt. Doch „dem USC fehlte der unbedingte Wille“ titulierte die RNZ nach dem enttäuschenden 82:83. Dreieinhalb Minuten vor der Schlusssirene war man 79:71 in Führung gelegen – und verlor noch, weil man nicht geduldig genug weiter spielte. Schade! So war man nach der Vorrunde Neunter in der Tabelle.
Die Rückrunde begann spiegelgleich wie die Vorrunde: Niederlage gegen Cuxhaven – diesmal an der Nordseeküste (81:108), Sieg gegen Osnabrück (84:82), Niederlage in Bayreuth (71:85). Es folgte die erste größere Enttäuschung – ausgerechnet vor der Rekordkulisse von 1150 Zuschauern gegen Bayern München (62:85). Das Auf und ab dieser Achterbahn-Saison nahm mit einem überraschenden 96:91-Erfolg in Chemnitz seine Fortsetzung. Hodges (31) und Burleson (24) hießen einmal mehr die Protagonisten. Endlich folgte einmal ein überragender Heimauftritt! Beim 105:97 gegen Hannover begeisterte der USC mit einer hervorragenden Teamleistung. Doch – fast schon erwartungsgemäß – folgte beim 67:94 in Homburg wieder die Kehrseite der Medaille. Mit viel Pech gab es – nach Verlängerung und guter Leistung – in letzter Sekunde ein 95:97 gegen die Kirchheim Knights. Nach dem 95:88 in Nördlingen (42 Punkte Burleson!) schien die USC-Welt wieder in Ordnung. Man lag nach 24 Spielen auf Platz 10 und durfte noch gegen vier Gegner aus dem Hinterfeld der Tabelle antreten. Platz 7 war noch in Reichweite. Doch diese Rechnung ging nicht auf. Gleich gegen Jena gab es eine völlig enttäuschende 75:94-Heimniederlage. Nach dem – gewinnbaren – 84:91 in Karlsruhe folgte eine weitere 90:105-Heimschlappe gegen Crailsheim und auch beim 72:93 in Freiburg war man völlig ohne Chance. Damit hatte man die einzig wirklich enttäuschende Saisonphase hinter sich. Zum Abschluss folgten dann nochmals zwei versöhnliche Erfolge gegen Essen (87:78) und in Langen (85:79). Damit hatte man als Elfter das Saisonziel (einstelliger Tabellenplatz) zwar knapp verfehlt, konnte sich aber mit dem Gedanken des Klassenerhalts in dieser sehr ausgeglichenen Liga und mit der Schlussfolgerung trösten, dass man bei zwei weiteren – durchaus möglichen – Siegen Tabellenachter geworden wäre.
Insgesamt mag man das Saisonergebnis als befriedigend bezeichnen. Man hat es verstanden, den absoluten Überraschungserfolg der Vorsaison immerhin zu bestätigen. Dies unter größerem Druck, weil die Erwartungshaltung im Umfeld diesmal – zu Recht? – höher war. Vielleicht war hierbei nicht immer genügend berücksichtigt worden, dass mit Beran und McNeil zwei sehr wichtige Eckpfeiler ersetzt werden mussten.
Der USC Heidelberg war mit 88,4 Punkten pro Spiel das „stärkste Offensivteam“, mit 93,6 Gegenpunkten aber auch das deutlich „schwächste Defensivteam“ der Liga. Mit lediglich 958 Rebounds belegt man ebenfalls den letzten Platz der Statistik, noch hinter München (976), Osnabrück (989) und Langen (991). Problematischer noch als die absoluten Zahlen ist dabei ein anderer Gesichtspunkt: Die Trefferquoten aller 15 anderen Pro A-Teams betrugen (inclusive der Begegnungen gegen den USC, also insgesamt) 45,6 %. Gegen den USC kamen diese 15 Teams aber auf 51,3 %. Sie hatten also gegen den USC eine um etwa 6 % höhere Trefferquote als bei ihren übrigen Saisonspielen.
Dies ist einerseits eklatant und durchaus betrüblich. Zugleich – und das ist das besonders Erfreuliche daran – steckt darin aber ein enormes Verbesserungspotenzial für die nächste Pro A-Saison bzw. für die Zukunft des USC-Basketballs. Eine günstige Ausgangsposition?
Claus Ebert
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