Die Oberfrankenhalle ist eine Basketballfestung. Zu den Heimspielen des BBC Bayreuth kommen in dieser Saison regelmäßig 2000 Zuschauer und mehr. Vorletzte Saison kamen gegen Jena einmal sogar über 4000 Besucher, ein Rekord in der Geschichte der Jungen Liga. Kein Wunder, dass der BBC eine solch erfolgreiche Mannschaft ist. Am 17. Spieltag stehen die Wagnerstädter programmgemäß auf dem ersten Platz der Tabelle und verbreiten durch ihre absolute Dominanz und Abgezocktheit einen sehr überzeugenden Eindruck. Eine einzige Niederlage mussten die Bayern hinnehmen, 64:71 gegen die Kirchheim Knights, die damit das ansonsten realistische Saisonziel der Oberfranken von null Niederlagen und Platz eins zunichte machen konnten. Auswärts allerdings sind die Jungs von Coach Andreas Wagner noch immer ungeschlagen.
Doch natürlich sind es nicht nur ihre Anhänger, die den BBC so stark machen, sondern vor allem die Tiefe ihres Kaders. Kaum ein Spieler steht mehr als 30 Minuten auf dem Parkett. Einen richtigen Anführer hat die Truppe nicht, Jaivon Harris kann sich allerdings dezent von den anderen abheben, er macht im Schnitt 15 Punkte. Der US-Amerikaner fühlt sich auf der Position 2 wohl, ist 1,97m groß und spielt schon lange in Deutschland. Emeka Erege, deutscher Power Forward, Point Guard Thomas Jackson und Routinier Jermain Raffington haben eins gemeinsam: Sie scoren allesamt um die 10 Zähler pro Partie. Edward „Eddie“ Seward, dessen Markenzeichen das Haarband ist, und Michael Schröder bringen zusammen über 4 Zentner auf die Waage und räumen jedes Wochenende kräftig unter den Brettern auf. Weitere Power von der Bank bringen Flügelspieler Pete Campbell, der gerne Dreier wirft, US-Guard Drew Williamson sowie Christoph Tetzner. Auch Ex-Giraffe Sebastian Barth hat sich in der Festspielstadt inzwischen gut eingefügt. Jeder einzelne macht seine Arbeit, wobei alle zusammen eine richtige Einheit bilden. Auf den ersten und vielleicht auch auf dem zweiten Blick kann man das Wort „Auswärtssieg“ nicht unbedingt mit der Oberfrankenhalle verbinden, auch weil die Bayreuther mit der richtigen Motivation in die Spiele gehen. Eine Minichance hat man allenfalls dann, wenn man dem Aufstiegsaspiranten – wie die Kirchheim Knights - den Taktstock abnehmen kann.
Der USC Heidelberg wurde im Hinspiel beim 100:122 extrem dominiert und vor allem mit der eigenen Waffe geschlagen: Offense. Groteske 70 % trafen die Wagnerstädter aus dem Feld, fast 60 % von jenseits der Dreierlinie, nur 4 ihrer 28 Freiwürfe verfehlten den Korb. Ähnlich – mit leicht veränderten Vorzeichen – machte es der Tabellenführer in Nördlingen, 75:58 war das Endergebnis. Die BBC-ler spielten einfach gute Verteidigung, genau wie Nördlingen es normalerweise macht, nur eben besser.
Der Sieg in Karlsruhe (82:80) war ungewöhnlich knapp, hier spielte auch die Erfahrung eine große Rolle. Der zweite der Tabelle, die Cuxhaven BasCats, wurde 84:70 besiegt.
Aus Heidelberger Sicht ist es sicher ein Spiel, vor dem man sagen kann: Wir haben nichts zu verlieren. „Wir dürfen sie einfach nicht davonziehen lassen“ sagte Kapitän Sebastian Adeberg Damit hat er natürlich vollkommen Recht, die einzige kleine Chance, das Spiel zu gewinnen ist vielleicht, als Mannschaft zusammenzuhalten, es den Bayreuthern schwer zu machen und im richtigen Moment das Spiel an sich zu reißen. Sicherlich ein ganz schweres Unterfangen. Aber es soll ja schon Wunder gegeben haben – auch im Basketball.
Robin Herbert und Claus Ebert










