USC BasCats: Der letzte Dreier wollte nicht fallen

10 März 2026

Die Schlusssirene ertönte, aber der Ball hatte die Hände von Kelly Moten bereits verlassen. Jenseits der Dreierlinie hatte die Amerikanerin geworfen, doch der Ball drehte sich aus dem Korb heraus. Schluss, Aus, Niederlage! Nach einem mitreißenden Krimi hatten die USC BasCats das Topspiel der 2. DBBL Süd gegen die VIMODROM Bender Baskets Jena mit 63:66 unglücklich verloren. Zum Glück retteten die BasCats ganz knapp den direkten Vergleich für sich, nachdem sie das Hinspiel 64:60 gewonnen hatten. Damit bleiben sie Zweiter.

Am „Internationalen Tag der Frau“ hatten die Frauen freien Eintritt in der alten Halle des ISSW. Vor den Augen einiger Bundesliga-Fußballerinnen der TSG Hoffenheim, den Volleyballerinnen des Drittligisten Heidelberger TV und zweier Damen-Basketballteams der SG Mannheim entwickelte sich eine hochklassige, äußerst intensive und temporeiche Partie, die eigentlich keinen Sieger verdient hatte. Beide Teams zeigten ihre Klasse und warum sie dort oben stehen.

Wenig überraschend waren es die Importspielerinnen, die dieses Spiel prägten. Auf Jenaer Seite herrschte die 1,96 Meter große Centerspielerin Marta Miscenko unter den Körben, Laila Walker lenkte das Spiel, Cianna Gloster glänzte mit ihrer Physis und Taylor Robertson versuchte, wie üblich über 20 Punkte zu machen, was ihr dank guter Verteidigung der BasCats nicht gelang.

Bei den Gastgeberinnen zeigte Jayla Oden ein großartiges Spiel. Die Amerikanerin rannte, kämpfte, passte, holte Rebounds, warf und traf. So stark hat man sie bisher noch nie gesehen, und das mit kaum überstandener Handgelenksverletzung. Mit 27 Punkten, acht Rebounds, sechs Vorlagen und fünf Ballgewinnen hatte sie beeindruckende Statistiken. Über die sechs Ballverluste, teilweise unter höchstem Druck, kann man hinwegsehen.

Blickt man insgesamt auf die Statistiken, dann liegen die meisten ganz dicht beieinander. Ausnahmen: Heidelberg hatte deutlich weniger Ballverluste als Jena (20:29), dafür waren die Thüringerinnen im Rebounds turmhoch überlegen (49:32). Was natürlich vor allem an der lettischen Nationalspielerin Miscenko lag.

Ein tolles Center-Duell lieferte sich Melanie Hoyt mit Marta Miscenko. Rechts Annika Heck. Foto: Andreas Gieser

Jena hatte im ersten Viertel deutliche Vorteile. Offenbar mussten sich die BasCats erst an die enorme Aggressivität der Thüringerinnen gewöhnen. Während sie defensiv etwas passiv wirkten, war Jena voll „on fire“. Miscenko war kaum zu halten, obwohl Melanie Hoyt großartig gegen sie kämpfte. Jena traf auch viel besser, und so sorgte das erste Viertel mit 13:26 für Ernüchterung.

Mit Beginn des zweiten Viertels erhöhte Cianna Gloster auf 13:28, doch dann rissen sich die BasCats zusammen und starteten eine Aufholjagd. Ein schöner Rückhandwurf von Jayla Oden und zwei Dreier in Folge von Charisse Fairley sorgten für Stimmung und Hoffnung. Nach einem 12:0-Lauf waren die BasCats auf drei Punkte heran. Zur Pause waren es noch fünf Punkte Rückstand. Bis dahin hatten erst drei Heidelbergerinnen gepunktet, Kelly Moten lag bei null Punkten. Es war überhaupt nicht ihr Abend, es lief fast nichts bei ihr. Dabei hätten die BasCats ihre Punkte so sehr gebraucht.

Es dauert bis Mitte des dritten Viertels, bis Jayla Oden zum 41:41 ausgleichen konnte. Melanie Hoyt war es mit zwei Körben in Folge, die die erst zweite Führung in diesem Spiel herausholen konnte. Es wurde mehr und mehr ein gnadenloser Fight, keiner schenkte dem anderen auch nur einen Zentimeter Freiraum. Nachdem Miscenko schon zur Halbzeit drei Fouls auf dem Konto hatte, versuchten die BasCats weitere Fouls gegen sie zu ziehen. Laurie Irthum bekam einen Schlag gegen den Kopf, sie fehlte fortan sehr. Pech für die BasCats, dass Laura Thiele ein Buzzer Beater gelang, sonst hätte es nach 30 Minuten 50:44 gestanden.

Julia Wroblewski bei einem ihrer zwei Distanztreffer. Foto: Andreas Gieser

Im vierten Viertel wurde es noch intensiver und härter. Ständig stand Miscenko an der Freiwurflinie. Für die BasCats gab es nur einen Foulpfiff ganz am Schluss. Den Freiwurf verwandelte Oden  zum 63:64. Nach zwei verwandelten Freiwürfen von Robertson, blieben den BasCats noch sechs Sekunden. Kelly Moten versuchte es mit dem erwähnten Dreier. Vermutlich wäre die ohnehin laute Halle explodiert, doch das Glück war nicht mit den tüchtigen BasCats.

Michael Rappe

Stenogramm: 4:2 (2.), 13:18 (7.), 13:26 (10.), 25:28 (15.), 30:35 (Halbzeit), 41:41 (26.), 41:44 (27.), 50:44 (29.), 50:47 (30.), 60:58 (35.), 63:66 (Endstand).

USC BasCats: Oden 27/2, Hoyt 14, Fairley 8/2, Wroblewski 6/2, Simon 4, Moten 2, Gomann 2, Wuckel, Irthum, Zipser.

Jena: Miscenko 17, Robertson 12/1, Gloster 10, Heck 10/1, Walker 9, Thiele 5/1, A. Rosanke 3/1, Schwarz.

Rebounds (BasCats/Jena): 32:49 (Oden 8, Hoyt 5, Team 5 – Miscenko 14, Robertson 12, Team 7)

Dreier: 27:25% (6/22:4/16)

Freiwurfquote: 69:82%

Assists: 11:13 (Oden 6 – Walker 4, Miscenko 4)

Steals: 3:3 (Oden 5 – Gloster 4, Robertson 4)

Michael Rappe

Stimmen zum Spiel:

Cheftrainer René Spandauw: „Für die Niederlage gibt es drei Gründe: Das erste Viertel, die Unterlegenheit im Rebound und fehlende Disziplin. Wir waren zu Beginn zu passiv in der Verteidigung und haben sie spielen lassen. Fast alle wollten zu viel und waren teilweise übermotiviert. Schade, dass Laurie nach einem Schlag gegen den Kopf Mitte des dritten Viertels nicht mehr spielen konnte. Sie hat unheimlich gefehlt. Ein großes Lob an Lotta Simon – sie hatte die ganze Woche nicht trainiert – Julia Wroblewski, Greta Gomann und Jayla Oden für ihren super Job gegen Taylor Robertson. Jayla war fantastisch, bei ihr sieht man, was Härte gegen sich selbst ausmacht. Es war ein tolles Spiel mit großartiger Unterstützung. Jena und wir sind derzeit die besten Teams der Liga.“

Melanie Hoyt: „Eine unglückliche Niederlage heute Abend. Jena ist ein sehr körperbetontes und talentiertes Team, und wir wussten, dass wir uns voll konzentrieren mussten, um ihre starke Offensive zu stoppen. Ich bin extrem stolz darauf, wie hart wir in der zweiten Halbzeit gekämpft haben; wir haben alles gegeben, wichtige Stopps erzwungen und bis zum Schluss als Team zusammengearbeitet. Wir hatten ein paar Konzentrationsschwächen, die uns später geschadet haben, aber unser Einsatz und unsere Intensität waren da. Wir lassen uns nicht entmutigen, konzentrieren uns neu und blicken optimistisch auf die kommenden Playoffs.“

Jayla Oden: „Es herrschte eine tolle Atmosphäre und es war ein richtig körperbetontes Spiel mit vielen Wendungen. Natürlich wollten wir gewinnen, aber ich bin stolz darauf, wie wir gekämpft und Jenas Härte und Intensität mitgehalten haben. Wir haben zusammengehalten und uns bis zum Schluss durch die Höhen und Tiefen gekämpft. Mir persönlich hat es einfach gutgetan, nach der Pause wieder mit meinem Team auf dem Feld zu stehen. Ich hatte mich schon sehr darauf gefreut, wieder spielen zu können, und habe deshalb versucht, alles zu tun, um dem Team zu helfen.“

Michael Rappe

Ergebnisse

Tabelle

Beitragsbild: Jayla Oden war die überragende Akteurin beim Spiel gegen Jena. Foto: Andreas Gieser