USC BasCats: Hochspannung, Jubel, Emotionen

27 Apr. 2026

Es war nichts für schwache Nerven, aber wer dieses Spiel erlebt hat, wird es nicht vergessen. Nach einer wahnsinnigen Verteidigungsschlacht gewannen die USC BasCats Heidelberg das Rückspiel im Playoff-Viertelfinale gegen die BBC „Bulls“ Osnabrück mit 49:47 und haben nach dem 66:66 im Hinspiel das Final Four um den Bundesliga-Aufstieg erreicht. Am 9. Mai treffen die BasCats in Göttingen um 15 Uhr auf die Wings Leverkusen, das zweite Halbfinale bestreiten Göttingen und Bochum. Die Sieger kämpfen am Sonntag, 10. Mai, nicht nur um die Meisterschaft, sondern erreichen das Aufstiegsrecht für die 1. DBBL.

Vor ausverkauftem Haus entwickelte sich eine heiß umkämpfte Partie, die von der ersten bis zur letzten Sekunde spannend war. Hier trafen wirklich zwei gleichstarke Teams aufeinander, und ehrlicherweise muss man sagen, dass auch die Osnabrückerinnen das Weiterkommen verdient gehabt hätten. Sie haben ein tolles Team, das nie aufgibt und mit Tonia Dölle, Annemarie Potratz-Bramscher und Michelle Büscher tolle Basketballerinnen in seinen Reihen hat. Die Duelle zwischen den beiden bundesligaerfahrenen Kelly Moten und Potratz-Bramscher gehörten zu den Höhepunkten dieser Partie.

Das ISSW platzte aus allen Nähten. Da kann man nur „Danke“ sagen. Foto: Andreas Gieser

Nuancen entschieden über diese Partie. Der entscheidende Faktor für die BasCats war aber wohl das Publikum. In der proppenvollen Halle – zur Halbzeit konnten keine Zuschauer mehr hineingelassen werden – herrschte eine Atmosphäre, die einzigartig war. Es war unfassbar laut und die Zuschauer peitschten ihr Team gerade in der entscheidende Phase förmlich nach vorne. Es gehörten zu den vielen Bildern und Geschichten dieser Partie, dass kurz vor Schluss die Ex-BasCats Helena Nägele und Helena Linder zu den Trommeln griffen und ein „Let’s go Heidelberg, let’s go!“ anstimmten. Und die ganze Halle stimmte lautstark ein.

Bei den BasCats fielen Melanie Hoyt und Lotta Simon aus, und da Anne Zipser aufgrund ihrer beruflichen Verpflichtungen wenig trainieren kann wurde die 18-jährige Greta Metz ins kalte Wasser geworfen. Und die Abiturientin löste die Aufgabe mit Bravour. Es gibt wahrlich leichtere Aufgaben, gegen eine Klasse-Centerin Tonia Dölle mit Bundesligaerfahrung zu spielen. Doch Metz spielte mutig und hatte großen Anteil am Erfolg.

Greta Metz im Duell mit Tonia Dölle. Foto: Andreas Gieser

Und dann Jayla Oden. Die US-Amerikanerin leidet an Asthma und war die ganze Woche kränklich. Erst am Spieltag war klar, dass sie einsatzfähig ist. Und dann lieferte sie eine Top-Leistung ab, wurde mit 17 Punkten Topscorerin, pflückte sieben Rebounds und holte drei Ballgewinnen. Es waren bange Minuten, als sie Sekunden vor Ende des dritten Viertels am Boden liegen blieb und nach Luft rang. Jemand holte ihr Asthma-Spray und Oden kam Mitte des vierten Viertels wieder.

Nach einem 17:15 zur ersten Viertelpause zogen die BasCats auf 28:19 davon, doch schnell kam Osnabrück wieder heran. Und schlug in der zweiten Halbzeit zurück. Nach einem umjubelten Dreier als Buzzer Beater von Julia Wroblewski zum 33:28, konterten die Niedersächsinnen mit einem 11:0-Lauf. Aber Jayla Oden und Greta Gomann sorgten für die 40:39-Führung vor dem letzten Viertel.

Neben dem wie immer unglaublichen Cheftrommler Mariusz Pawluk heizten auch Helena Nägele und Helena Nägele die Zuschauer an. Foto: Andreas Gieser

Es wurde immer dramatischer. Während sich die Würfe bei den BasCats aus dem Korb herausdrehten, markierte Tonia Dölle sechs Punkte in Folge und Potratz-Bramscher erhöhte auf 43:47. 2:50 Min. vor Schluss traf Oden zum 45:47, Kelly Moten wurde bei ihrem Korberfolg zum 47:47 gefoult und verwandelte den Freiwurf zum 48:47. Kurz darauf verfehlte sie einen Dreier, Cheftrainer René Spandauw nahm zwei Auszeiten, die letzte 0,6 Sekunden vor Schluss. Greta Gomann konnte einen ihrer zwei Freiwürfe zum 49:47 verwandeln, nun nahm Osnabrücks Trainer Radion Gross die Auszeit. Und dann blockte Greta Gomann ein Zuspiel zu Kira Dölle – der Rest war grenzenloser Jubel.

Stenogramm: 8:11 (5.), 17:15 (10.), 28:19 (16.), 30:26 (Halbzeit), 33:28 (21.), 33:39 (27.), 40:39 (30.), 43:47 (37.), 49:47 (Endstand).

BasCats: Oden 17/1, Wuckel 10/2, Wroblewski 10/1, Moten 7, Gomann 4, Metz 1, Fairley, Irthum, Zipser, Koch, Schramm-Bünning.

Osnabrück: Büscher 15/1, T. Dölle 13,  Potratz-Bramscher 8, Enochs 3/1, Kreuzhermes 3/1, K. Dölle 3, Hagedorn 2, Behr, Arlt.

Rebounds (BasCats/Osnabrück): 47:40 (Moten 13, Team 8, Oden 7 – T. Dölle 8, Büscher 7, K. Dölle 6, Potratz-Bramscher 6)

Dreier: 16:23% (4/25:5/22)

Freiwurfquote: 81:83%

Assists: 6:15 (Moten 3 – Potratz-Bramscher 5)

Steals: 11:13 (Moten 4 – T. Dölle 5)

Anmerkungen: Die Statistiken sind bis auf die Punkte fehlerhaft.

Michael Rappe

Das Spiel in voller Länge bei Youtube https://www.youtube.com/watch?v=Ug061ZvXGgs

Ergebnisse Playoff-Viertelfinale, Rückspiele

Stimmen zum Spiel:

Cheftrainer René Spandauw: „Die Atmosphäre war sensationell, das hat enorm geholfen. Wir haben vorher gesagt, wenn wir sie nicht unter 60 Punkten halten, haben wir keine Chance. Und nun haben wir nur 47 zugelassen und in den letzten 14 Minuten nur acht! Es war die absolut beste Verteidigungsleistung der Saison. Es konnte nur über die Verteidigung gehen, es war eine Defensivschlacht. Wir haben damit gerechnet, dass sie Kelly aus dem Spiel nehmen, Annemarie Potratz-Bramscher ist eine fantastische Spielerin. Wir haben den Mut gehabt, Greta Metz zu bringen und sie hat es fantastisch gemacht. Dieses Team ist einzigartig, es hat einen enormen Zusammenhalt und ist durch alle Rückschläge gegangen. Das heute ist einer der Höhepunkte meiner Karriere.“

Greta Metz: „Ich war sehr aufgeregt, aber habe mir gesagt, ich muss kühlen Kopf behalten. Ich war schnell im Spiel drin. Es galt zu verteidigen, verteidigen, verteidigen. Beim Rückstand sind wir ruhig geblieben, und durch die Defense kam auch die Offense wieder. Ich hatte volles Vertrauen ins Team. Alle haben alles gegeben, auf der Bank und auf dem Spielfeld. Es war ein Gänsehautmoment.“

Michael Rappe

Beitragsbild: JAAA! Greta Gomann schreit ihren Jubel heraus: Die USC BasCats haben das Final Four in Göttingen erreicht. Foto: Andreas Gieser