Kleiner Flügel, großer Flügel, Center, Aufbau – es gibt eigentlich keine Position, die Charisse Fairley nicht spielen kann. Seit jeher ist sie eine Allrounderin, wie schon ihr College-Coach Jaime White sagte: „„Charisse impacts a game from the 3-point-line and from the paint, while often tasked to guard the opponent’s best player.“ Am Samstag, 25. April (17 Uhr, ISSW alt), kämpft sie mit den USC BasCats gegen den BBC Osnabrück um den Einzug ins Final Four um den Aufstieg in die 1. DBBL.
Idar-Oberstein, Colorado Springs, Island, Bulgarien, Varese/Italien und seit letztem Sommer die USC BasCats Heidelberg – Die 26-jährige Charisse Fairley hat schon einiges von der Welt gesehen. Ihr Vater war in Idar-Oberstein bei der US Army, als die kleine Charisse geboren wurde. Mit vier Jahren ging es zurück in die USA, zuerst nach Georgia, dann nach Colorado Springs, wo sie in La Junta auf das Otero Junior College ging. Auf dem College spielte Fairley für Fresno State in der NCAA1 und für die Colorado State University Pueblo Thunderwolves in der NCAA 2. Sie hat einen Bachelor in Kinesiologie.
Obwohl sie einen deutschen Pass hat, fremdelt sie mit der deutschen Sprache. „Ich hatte es auf der High School, aber es hat nicht sonderlich gut geklappt“, grinst sie beim Interview. Nach dem Bachelor war UMF Grindavik auf Island ihre erste Auslandsstation, aber dort musste sie schon nach einem halben Jahr gehen und spielte danach ein halbes Jahr in Montana (Bulgarien). Dann verschlug es sie ins italienische Varese. „Das war eine schöne kleine Stadt, die Leute waren wirklich nett“, erinnert sich Fairley. Sie spielt für BC Varese in der italienischen Serie B, doch als der Trainer aufhörte, war auch für sie Schluss.
Charisse Fairley im Trikot der Colorado State University Pueblo Thunderwolves. Foto: privat
Eigentlich saß sie dann bereits im Flugzeug nach Denver, als der Kontakt zu Heidelberg zu Stande kam. Sie unterbrach den Flug in Frankfurt, machte einen Probetraining bei den BasCats. Fairley zeigte ihre Qualitäten und bekam einen Vertrag.
Charisse Fairley ist ein sehr nachdenklicher Mensch. „Sie ist manchmal zu verkopft“, sagte Cheftrainer René Spandauw über sie. Fairley stimmt dem zu. „Alles, was mich zurückhält, das bin ich. Ich sollte einfach spielen, den Kopf oben halten. Es ist eine Sache des Selbstvertrauens“, sagte die Deutsch-Amerikanerin. Sie versucht sich jede Woche zu verbessern, was noch nicht immer gelingt. Bisher hat sie in dieser Saison acht Punkte und fünf Rebounds im Schnitt erzielt, ihre Dreierquote beträgt 35 Prozent. Ihr bestes Spiel machte sie gegen Bamberg mit 22 Punkten, darunter sechs Distanztreffer.
Nach diesem Bamberg-Spiel richtete Charisse Fairley einen großen Dank ans Heidelberger Umfeld: „Ich spreche ein großes Lob aus an die Coaches und das Team aus, dass sie an mich geglaubt und mich ermutigt haben. Mein größter Kampf war schon immer der gegen mich selbst. Bei verschiedenen Herangehensweisen war der wichtigste Faktor dabei stets die Geduld aller Beteiligten – der Coaches, der Mitspielerinnen und ich selbst. Es ging darum, noch einmal ganz von vorn anzufangen und auf dem aufzubauen, was als grundlegend und einfach gilt. Es stand nie im Vordergrund, was ich nicht konnte, sondern vielmehr die Frage: Wie können wir meine Fähigkeiten abrufen? Ich danke meinen Coaches dafür, dass sie mir das Vertrauen geschenkt haben sowie meinen Mitspielern und den Verantwortlichen innerhalb der Organisation für die Unterstützung, die mich zum Weitermachen motiviert hat!“
Charisse Fairley im Ligaspiel gegen Mainz. Foto: Lukas Adler
Ehrgeizig ist Charisse Fairley in jedem Fall. „Der Aufstieg wäre klasse“, meinte sie im Hinblick auf die Playoffs. „Wir wollen das Beste geben, ich auch. Für den ganzen Verein wäre es gut, in der Bundesliga zu spielen, weil die Gegner stärker sind.“ Zu Playoff-Gegner Osnabrück sagt sie: „Die sind stark in der transition und werfen gut, außerdem sind sie ein gutes Reboundteam“. Beim 66:66 im Hinspiel des Playoff-Viertelfinales in Osnabrück lief es für Fairley nicht optimal. Keiner ihrer Würfe traf. Doch eines ist sicher, im Rückspiel wird sie wieder alles geben.
Charisse Fairley fühlt sich in Heidelberg sehr wohl und würde gerne bleiben. „Ich liebe Heidelberg, auch wenn der Winter recht düster war.“
In ihrer Freizeit zeichnet sie gerne, hört Musik („alles querbeet“). An Sportarten liebt sie American Football, Fußball, Baseball und Volleyball. Doch ihre ganze Leidenschaft gehört dem Basketball, auf den sie sich derzeit ganz konzentriert.
Michael Rappe
Beitragsbild: Charisse Fairley in Aktion gegen Bamberg. Foto: Andreas Gieser