Was für ein unglücklicher Schlusspunkt! Fast die ganze Partie über lagen die USC BasCats Heidelberg im ersten Playoff-Viertelfinalspiel beim BBC Osnabrück vorne, teilweise mit neun bis zehn Punkten, doch praktisch mit der Schlusssirene erzielten die Niedersächsinnen den Ausgleich zum 66:66. Das Rückspiel am Samstag um 17 Uhr (ISSW alt) wird damit zum Krimi.
Die BasCats mussten auf Laurie Irthum und Greta Metz verzichten, und beiden hätten sehr gut getan, um die angeschlagene Melanie Hoyt auf der Centerposition und insgesamt in der Defensive zu entlasten. Gleichwohl starteten die Heidelbergerinnen sehr gut, und das lag an Hoyt und vor allem an Kelly Moten. Außer den 15 Punkten der beiden US-Amerikanerinnen konnte lediglich noch deren Landsfrau Jayla Oden zwei Zähler markieren.
Zu Beginn des zweiten Viertels verloren die BasCats vorübergehend den Faden und gestatteten Osnabrück die einzige Führung (21:17). Doch als Kapitänin Melanie Hoyt aufs Feld kam, lief es wieder. Mit sechs Punkten in Folge brachte sie ihr Team erneut in Führung. Die restlichen neun Punkte der Heidelbergerinnen erzielte wiederum Kelly Moten, so dass zur Halbzeit keine einzige deutsche Spielerin einen Punkt erzielt hatte (Moten 16, Hoyt 14, Oden 2). Das ist auch ein Novum.
In der zweiten Halbzeit trafen die zunächst offensiv sehr nervös und ungenau agierenden Osnabrückerinnen etwas besser, dennoch blieb es bei sechs bis neun Punkten Vorsprung für die BasCats. Lotta Simon war es, die nach über sechs Minuten im dritten Viertel den ersten Distanzwurf versenkte. Zwei Dreier von Emily Enochs und Freiwürfe von Büscher und Enochs ließen die „Bulls“ auf vier Punkte herankommen.
Ein Dreier von Moten kurz nach Beginn des vierten Viertels schien den Weg zum Sieg zu weisen, doch plötzlich waren die Gastgeberinnen da und glichen aus. Wer die Wende kommen sah, irrte sich jedoch, denn Moten, Oden und Hoyt sorgten mit einem 9:0-Lauf wieder für Beruhigung. Die Wende war die Verletzung von Melanie Hoyt. Ein Muskel in der angeschlagenen Wade machte zu, knapp vier Minuten vor Ende musste sie vom Feld.
Den letzten beiden von 29 Punkten Kelly Motens – dazu hatte sie 16 Rebounds, fünf Vorlagen und einen Ballgewinn in der Statistik – zum 57:65 ließ Osnabrück einen 7:0-Lauf folgen. Plötzlich passierten Fehlpässe und Ballverluste, und vergebene Freiwürfe brachten Osnabrück ins Spiel. Die schwachen Freiwürfe werden immer mehr zum großen Problem in dieser Saison. Zwölf Sekunden vor Schluss hatte Greta Gomann die Chance, mit zwei Freiwürfen das 67:64 zu erzielen, doch sie verwandelte nur einen. Cheftrainer René Spandauw nahm 2,8 Sekunden vor Ende eine Auszeit und forderte das Team auf, nach dem folgenden Einwurf sofort zu foulen. Doch urplötzlich stand die starke Michelle Büscher völlig frei und glich zum 66:66 aus. Resigniert hob Spandauw beide Hände.
Mit etwas mehr Cleverness, Ruhe und Glück hätten die BasCats diese Partie eigentlich für sich entscheiden müssen. So ist weiterhin alles offen. Bleibt zu hoffen, dass Melanie Hoyt im Rückspiel einsatzfähig ist.
Blickt man auf die übrigen Playoff-Spiele, dann fällt auf, dass die Südvertreter bis auf die BasCats allesamt das Hinspiel verloren. Vor allem die Niederlage der Falcons Bad Homburg mit 84:94 in Bochum überraschte sehr. Würzburg war gegen Leverkusen chancenlos, Göttingen siegte in Jena.
Stenogramm: 3:9 (6.), 13:17 (10.), 21:17 (13.), 21:25 (16.), 23:32 (Halbzeit), 33:41 (24.), 38:48 (27.), 47:51 (30.), 54:54 (34.), 54:63 (36.), 57:65 (37.), 64:65 (0:38), 64:66 (0:10), 66:66 (Endstand).
BBC Osnabrück: Büscher 15, Arlt 13/3, T. Dölle 13, Enochs 12/2, K. Dölle 6/2, Potratz-Bramscher 5/1, Behr 2, Hagedorn, Hagenhoff, Kreuzhermes.
USC BasCats: Moten 29/2, Hoyt 18, Oden 9, Simon 5/1, Wroblewski 3/1, Gomann 2, Fairley, Wuckel, Zipser, Schüle.
Rebounds (Osnabrück/BasCats ): 36:40 (T. Dölle 11, Arlt 8 – Moten 16, Team 6, Oden 5)
Dreier: 26:21% (8/31:4/19)
Freiwurfquote: 50:69%
Assists: 20:13 (Potratz-Bramscher 7, T. Dölle 5 – Moten 5)
Steals: 8:7 (Hagenhoff 3 – sieben Spielerinnen mit 1)
Michael Rappe
Stimmen zum Spiel:
Cheftrainer René Spandauw: „Osnabrück hat sicherlich nicht mehr mit dem Ausgleich gerechnet, aber sie sind dafür bekannt, dass sie nie aufgeben und Spiel rumreißen. Wir hatten einige individuelle Fehler im Spiel, ein paar unglückliche Aktionen am Ende, aber insgesamt kann ich der Mannschaft nicht viel vorwerfen, denn sie hat fast alles umgesetzt, was wir wollten. Gegen Tonia Dölle hatten wir einen bestimmten Plan, der hat größtenteils funktioniert. Es war schade, dass Greta Metz wegen der Abiturvorbereitungen nicht dabei sein konnte, sie hätte hinter Melanie Hoyt als zweite Centerin agiert.“
Kelly Moten: „Das Spiel hatte seine Höhen und Tiefen, beide Teams haben extrem intensiv gespielt. Es ist nicht immer alles für uns gelaufen und wir haben Dinge realisiert, die wir verbessern können. Osnabrück hatte die Halle auf seiner Seite, aber ich bin stolz, wie wir darauf reagiert und gekämpft haben. Unser Ziel war, das Spiel zu gewinnen, nun ist es Unentschieden ausgegangen und das macht das nächste Spiel noch wichtiger.“
Michael Rappe
Beitragsbild: Kelly Moten war in Osnabrück kaum zu halten, doch zum Sieg reichte es nicht. Foto: