Glücksgöttin Fortuna war nicht mit den USC BasCats Heidelberg. Nach einem Basketball-Drama verloren die Heidelbergerinnen ihr Halbfinale beim Final Four um den Aufstieg in die 1. Damen-Basketball-Bundesliga in Göttingen mit 71:73 (18:24, 38:42, 47:58) gegen die Wings Leverkusen und verpassten nicht nur das Finale, sondern auch den sportlichen Aufstieg in die Bundesliga. Nur mit einer Wildcard für 15.000 Euro können die Heidelbergerinnen, die als einzige der vier Teilnehmer einen Lizenzantrag gestellt haben, noch nachträglich aufsteigen. Meister wurde Leverkusen mit 80:78 nach Verlängerung gegen Bochum. Es war ein Turnier der ganz engen Spiele, alle vier Partien waren hoch dramatich.
Es waren – wie so im Sport – Kleinigkeiten, die den Ausschlag für Leverkusen gaben. Die schlechtere Freiwurfquote (9/17), ein paar unglückliche Ballverluste, zwei oder drei strittige Schiedsrichterentscheidungen – bei so einem knappen Ergebnis kann man die fehlenden Punkte überall suchen. Feststeht, dass die USC BasCats auch bei 13 Punkten Rückstand nie aufgaben, alles versuchten und durch drei Distanztreffer von Kelly Moten (22 Punkte) noch einmal in Schlagdistanz. Sie war neben Jayla Oden (24 Punkten) überragend. Ihr Sensationsdreier zum 68:72 sorgte noch einmal für Hoffnung, doch es reichte nicht mehr. Hängende Köpfe, Tränen, leere Gesichter – nach der Schlusssirene herrschte Enttäuschung pur.
Kelly Moten im Duell mit Leverkusens Centerin Tessa Brugler. Foto: Lukas Müller
Im Spiel um Platz drei am nächsten Tag sollte gegen die BG Göttingen, das ebenfalls sehr knapp mit 67:69 gegen Bochum verloren hatte, wenigstens der dritte Platz und die Bronzemedaille errungen werden. Greta Metz, Leni Schramm-Bünning und Serafina Reder wurden gen Langen geschickt, um den USC II im zweiten Aufstiegsspiel beim TV Langen zu unterstützen. Das verschärfte die Situation auf der Center-Position, doch Laurie Irthum kämpfte für drei, Charisse Fairley steigerte sich gegenüber dem Leverkusen-Spiel enorm und den Rest erledigte das Team in Gemeinschaftsarbeit. Doch auch in dieser Partie war den BasCats das Glück nicht hold. Trotz zeitweise 15 Punkten Vorsprung verloren sie noch mit 70:76. Die BasCats gingen schnell in Führung, und es waren vor allem Charisse Fairley (15 Punkte) sowie Jayla Oden und Kelly Moten (je 18), die offensiv Akzente setzten.
Anna-Lisa Wuckel im Spiel gegen Göttingen. Foto: Lukas Müller
Auch Mitte des dritten Viertels waren es noch elf. Doch Göttingen war unfassbar stark aus der Distanz. Zwölf Dreier, 50 Prozent, hauten sie den BasCats in die Reuse, vor allem Sophia Phillips war mit 25 Punkten kaum zu stoppen. Göttingen glich aus und drehte das Spiel. Im Schlussabschnitt wurde das Spiel umkämpfter und die extrem schlechten Schiedsrichterinnen spielten eine große Rolle. Immer wieder Fehlentscheidungen – auf beiden Seiten – sorgten für Unruhe. Kelly Moten brachte noch einmal das 70:70, doch das Glück war auf Seiten Göttingens. Mit traurigen Gesichtern ließen sie die Siegerehrung über sich ergehen. Einige von den Spielerinnen und aus dem Staff wird man nicht mehr im BasCats-Trikot sehen.
Etwas ganz Besonderes gab es nach der Siegerehrung von Athletikcoach Cieran Anderson zu sehen. Der Neuseeländer führte einen Haka, den Kriegstanz der Maori, der Stolz, Zusammenhalt und Identität symbolisert, auf und hatte mit dieser spektakulären Aktion den Beifall auf seiner Seite. Und rührte sein Team zu Ehren, wie die innige Umarmung danach zeigte. Cieran Anderson wird die BasCats verlassen.
Die USC BasCats nach der Siegerehrung. Foto: Michael Rappe
Cheftrainer René Spandauw ergriff nach der Siegerehrung das Mikrofon und nach dem Lob für die Veranstalter und für die sportliche Leistung alle vier Teams wandte er sich an seine Mannschaft: „Mädels, danke für zwei tolle Jahre. Ich liebe Euch, und wir sehen uns Dienstag!“ Dies aber nicht etwa zum Training, sondern zum Abschlussabend. Es wird auch der Abschied für viele im und um das Team.
Die kommenden Wochen werden spannend bei den USC BasCats, personell und strukturell.
Final Four, Halbfinale, Wings Leverkusen – USC BasCats 73:71. Stenogramm: 4:6 (3.), 12:6 (5.), 24:18 (10.), 30:29 (15.), 35:35 (18.) 42:38 (Halbzeit), 44:44 (22), 50:47 (26.), 58:47 (30.), 60:47 (31.), 62:58 (35.), 66:60 (38.), 70:61 (38.), 72:68 (0:14), 73:68 (0:07), 73:71 (0:04).
Leverkusen: Brugler 24, Parra 20/3, Okpara 13, Kampes 6/1, Villaflor 5/1, Kröner 4, Balcerak 1, Kerluku, Arz, Hartmann, Keune.
BasCats: Oden 24//2, Moten 22/4, Wroblewski 11/3, Gomann 7/1, Irthum 2, Koch 2, Zipser 2, Metz 1,Wuckel, Fairley.
2. Halbfinale: VfL Bochum – BG 74 Veilchen Ladies Göttingen 69:67.
Spiel um Platz drei, Göttingen – BasCats 76:70 (18:21, 36:46, 64:62). Stenogramm: 8:15 (6.), 18:21 (10.), 20:24 (11.), 20:35 (15.), 27:41 (17.), 36:45 (Halbzeit), 47:58 (26.), 52:61 (27.), 64:62 (30.), 69:64 (32.), 70:70 (38.), 76.70 (Endstand).
Göttingen S. Philipps 25/4, Faustino 14/1, Bremer 14/1, L. Philipps 9/3, A. Oevermann 7/1, Dohrmann 3/1, Peneueta 3/1, Kretschmar 1, Wenke.
BasCats: Oden 18/2, Moten 18/1, Fairley 15/1, Wroblewski 6/2, Irthum 5, Gomann 4, Wuckel 2. Schüle 2, Zipser, Koch.
Finale: Leverkusen – Bochum 80:78 n. V.
Stimmen zum Halbfinale:
Cheftrainer René Spandauw: „Die Niederlage macht mich sehr traurig, aber die Leistung der Mannschaft macht mich auch stolz. Ich kann ihr nichts vorwerfen. Der Knackpunkt war das dritte Viertel, wo Leverkusen seinen Lauf hatte. Wir haben uns aber sehr gut davon erholt. Es waren Kleinigkeiten entscheidend. Ein paar dumme Ballverluste, das Schwächeln von der Freiwurflinie, ein paar Pfiffe gegen uns. Aber wir haben bis zum Schluss gekämpft.“
Co-Trainerin Helena Eckerle: „Wir waren sehr gut vorbereit, die Dinge, die wir uns vorgenommen hatten, haben auch gut funktioniert. Es gab einzelne Momente, wo wir den Fokus verloren haben, es gab relativ viele Pfiffe gegen uns, aber ich bin superstolz auf die Mädels. Wir haben 40 Minuten lang nicht aufgegeben, egal bei welchem Spielstand. Manche von uns waren noch nie in so einem Final-Four-Spiel. Greta Metz hat es beispielsweise super gemacht, sie kann davon nur profitieren. Ich finde Hin- und Rückspiel in einer Meisterschaft besser. Ein einziges Spiel wird nicht dem gerecht, was wir das ganze Jahr gemacht haben. Neun Monate haben wir dem Team gearbeitet, seit August. Es wird noch ein paar Tage wehtun, ich bin frustriert und stolz zugleich.“
Stimmen zum Spiel um Platz drei:
Cheftrainer René Spandauw: „Es war eben in der Kabine sehr emotional, es gab einige Tränen, aber das zeigt das Herz des Teams. Ich habe der Mannschaft bei der Führung in der Pause gesagt, dass das Spiel noch nicht vorbei ist. Göttingen war auch gegen Bochum weit hinten. Mit jedem erfolgreichen Distanzwurf wurde da Publikum noch lauter. Die Schiedsrichter haben im vierten Viertel leider plötzlich anders gepfiffen. Hier waren die vier besten Teams der 2. Liga, leider waren nicht die besten Schiedsrichter hier.“
Michael Rappe
Beitragsbild: Jayla Oden zeigte zwei ganz starke Spiele. Foto: Lukas Müller